Laudatio

Laudatio der Kunsthistorikerin Beate Falkenberg in der Merkur-Galerie der IHK Kiel

Herzlich willkommen meine Damen und Herren,

ich freue mich, dass sie gekommen sind - und bedanke mich bei der IHK dass sie mich eingeladen habt heute die Eröffnung dieser Ausstellung zu begleiten.

Ich kenne den Künstler seit seiner letzten Ausstellung in der Galerie „Bilder im Hof“ in Flensburg, und ich mag ihn.
Ich mag den Künstler und den Menschen Heino Karschewski.

In ihm findet sich vieles, was einen guten Künstler ausmacht, vereint:
Anhaltende Kreativität und schöpferische Unruhe, großes Talent im Umgang mit Zeichenstift und mit Farbe, stetes Studium und ein daraus resultierendes profundes Fachwissen und Können. Und - nicht zuletzt, sondern ganz wichtig als Basis aller seiner Arbeiten - eine positive, lebensbejahende Grundeinstellung, die er über seine Werke in die Öffentlichkeit trägt.

Erwarten sie bitte keine Titulierung von mir, ein Schlagwort, unter dem sie die gesamte Ausstellung zusammengefasst wissen.
Die Kunst Heino Karschewskis lässt sich nicht unter einem Begriff bündeln – Realist ist er allemal, manchmal ein norddeutscher Realist, der den Muschelsucher oder eine Abendstimmung malt, manchmal aber auch ein Surrealist,
der einen Hai in Anblick einer Suppenterrine auf der Leinwand leben lässt.

Die Künstler der Nach-Moderne in unserer globalisierten Welt erarbeiten sich heute ihr Medium frei und ungebunden.

Heino Karschewski selber spricht von norddeutscher Gelassenheit in seiner Malerei – was ja vielmehr die Gefühlswelt in den Werken als ihren Stil zu beschreiben vermag.

Heino Karschewski studierte in Hamburg Zeichnung und war danach zunächst lange Jahre hauptberuflich als Zeichner tätig, bevor er Mitte der 90er Jahre endgültig zur Malerei wechselte.

In Veröffentlichungen über den Maler wird immer wieder der autodidaktische Wechsel zur Malerei erwähnt.

Weil dieser Ausdruck aber immer auch einen Eindruck von technischer Unerfahrenheit, Unzulänglichkeit oder Oberflächlichkeit mangels Kenntnis transportiert, finde ich ihn nicht wirklich angebracht.

Wir alle wissen: Auch eine Hochschulausbildung schützt nicht vor fehlerhaftem Umgang mit einer Materie – jede Ausbildung ist nur so gut, wie das Interesse und die Intensität, mit der das Wissen vom Schüler adaptiert wird.

Heino Karschewski hat keine universitäre Ausbildung zum Maler, er beschäftigt sich aber intensiv mit den Techniken der Jahrhunderte alten Ölmalerei und hat sich so mit der Zeit ein profundes Wissen zum Thema Malmittel und Technik aufgebaut.

Das er mit seiner Technik umzugehen weiß, erkennen sie auf einen Blick in dieser Austellung.

Die Gemälde der Alten Meister und ihre Fähigkeiten des Farbspieles sind ihm Vorbild und Inspiration. Er kennt die Regeln des Farbaufbaus und weiß die einzelnen Schritte richtig zu wählen. Liegt dann auch noch eine Ausbildung und jahrelange Erfahrung als Zeichner zugrunde, sind beste Bedingungen gelegt, um einen Kreativen Geist wie Heino Karschewski so unterschiedliche und spannende Bildwelten wie in dieser Ausstellung heute zu sehen, entstehen zu lassen.

"Stille Wasser, Tiefe Einblicke" - so lautet der Titel dieser Ausstellung.
Ob Wasser oder nicht, sehr still sind sie alle – die Motive dieser Ausstellung.
Heino Karschewski ist kein Mann der lauten Worte bzw. lauten Farben oder turbulenten Szenerien in seinen Bildern.
Ein ruhiger Geist, der das langsame und strukturierte, bedachte Medium der Ölmalerei für sich gewählt hat.
Es sind stille, ruhige Szenen von hohem ästhetischem Reiz und positiver Strahlkraft, die der Künstler entstehen lässt.

Ein immer irgendwie erwartungsfrohes Schweigen liegt für mich in seinen Bildern. Bilder, die erst in Kommunikation mit dem Betrachter die Gedanken und Motive offenbaren, die in ihnen angelegt sind, vom Maler aber wie er selber sagt, in den Hintergrund gemalt sind.
Landschaftsimpressionen, fast klassische norddeutsche Szenerien, Abendstimmung, Der Muschelsucher. Übergroße Tierportraits, eine Krabbe und ein Elefant in surrealer, stummer Kommunikation mit ihrem Betrachter innerhalb des Bildes und auch vor der Leinwand.
Lebensnah, beeindruckend real und von einer enormen körperlichen Präsenz sind diese schweigenden, reglosen aber nicht leblosen Kreaturen.
Lebensgroße Akte, eine junge Frau im Aufbruch in das Leben finden sich in der Ausstellung ebenso wie eine eigenwillige Komposition zum Thema Adam und Eva und der Apfel.

Sie sehen eine breite Vielfalt im kreativen Schaffen des Künstlers – dieser Vielfalt kommt die verstreute Situation hier vor Ort sehr entgegen. Viele einzelne Inseln, die die Bilder für sich allein wirken lassen.

Der Künstler beschreibt sich selbst als suchenden, fragenden Menschen. Welchen Weg gehen wir, wo führt er uns hin, was ist unsere Bestimmung und wenn wir sie gefunden haben, wie gehen wir damit um.

Eine Mystische Kraft steckt für Heino Karschewski in der Vorstellung von Zeit und Raum und unserem kleinen Moment des Daseins darin. Der Weg unseres persönlichen Seins, dessen Anfang und Ende ein Mensch nicht kennen kann, ist in vielfältiger Weise Thema in seinen Bildern.

Zwei Selbstportraits zeigen ihn auf seinem Weg, auf beiden Bildern ist dieser Weg ein Balanceakt auf dünnem Seil, dem er sich stellt.
Nur wer seinen inneren Ruhepunkt, die Balance gefunden hat, nicht unbeständig nach rechts und links abweicht, kann gefahrlos mit der Stange über das dünne Seil gehen. Und es sind die Pausen, die er darstellt, eine kleine Pause auf einem unbestimmten Weg ohne Anfang und Ziel.
Pausen zum innehalten und sammeln um dann furchtlos und erwartungsfroh weiterzubalancieren.

Heino Karschewski nimmt sich Pausen und ist kein Mensch der schnellen Werke, ein Ölgemälde muß wachsen, braucht bewusste Planung und immer wieder kurze Pausen zum trocknen der Schichten.
Kleine Pause heisst es denn auch, das Bild.
Für ein Portrait natürlich eine sehr ungewöhnliche Bildkomposition, so ein kleines Figürchen inmitten von ganz viel undefiniertem Nichts. 
Da steht er, der kleine Heino, und blickt offen und erwartungsvoll nach oben.
Heino Karschewski verwendet diese Bildkomposition, Figuren auf Steelen aus dem Nichts in einem Nichts mehrfach, um Gedanken, Interaktionen oder Situationen ohne dekoratives Beiwerk fast karikierend in Szene zu setzen.

Diese stillen Bilder vermögen am direktesten einen Einblick in die tiefe Gedankenwelt des Künstlers zu geben.

Die größte Installation   - Fische -   ist zugleich auch das neueste Werk von Heino Karschewski, und schon allein aufgrund seiner Größe das beeindruckenste dieser Ausstellung.
Eine Installation aus 26 Einzelbildern, Fische von bezaubender Schönheit, Ruhe und Eleganz auf blauem Grund, die gemeinsam einen großen Schwarm bilden.
Ein einzelner schwimmt aus der Reihe, ist in der anderen Richtung unterwegs.
In diesen Gemälden zeigt sich die enorme Fähigkeit des Künstlers, allein mit Pinsel und Farbe auf einer zweidimensionalen Leinwand fast greifbares Leben entstehen zu lassen.
Die abgebildeten Fische sind alle rein fiktiv – Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Fischen sind beabsichtigt und durchaus möglich......
Ein wunderschönes blau, dass durch eine Grundierung mit dunkelrot eine ungewöhnlich warme Ausstrahlung erhält, bildet den Hintergrund für diesen Schwarm, der für den Künstler ein kleines Gesellschaftsbild darstellt – jeder für sich hat seine eigene Mimik und Statur, jeder hat seinen Platz in dem großen Schwarm, - und jeder von ihnen ist käuflich, irgendwie…..
Obwohl eine Gesamtinstallation, sind die Bilder im einzelnen zu erwerben und so ein steter Wechsel dieser Gesellschaft angelegt.

Viele Fragen und Gedanken Heino Karschewskis trägt die Installation in sich:

Sollten wir auf dem Weg, der uns im Schwarm vorgegeben wird, brav bleiben?

Ist es nicht manchmal besser, die Bahn zu verlassen und wie der junge Neunmalklug dort vorn in eine andere Richtung schwimmen?

Laufen wir dann Gefahr, vom Schwarm verschlungen zu werden?

Viele Gedanken, Zweifel und Fragen, die er mit dieser stromlinienförmigen Installation hinter der schönen Oberfläche auch transportiert, bekam ich zu hören, als ich beim Künstler im Atelier zu Besuch war.

Das alles hätte doch gut zu einem bedeutungsschweren Untergrund für den Schwarm verarbeit werden können, war meine Frage. Diese Gedanken male ich in den Hintergrund, so die schlichte Antwort.

Heino Karschewski weiß um die suggestive Strahlkraft eines Bildes. Die positive Ausstrahlung seiner Kunst ist ihm ein Anliegen. Male ich das Böse, wird es wahr sagt er und möchte keine Teufel heraufbeschwören – eher Freude, Ruhe und Anmut zeigen, ohne die Teufel dabei zu vergessen.

Ich wünsche Ihnen in all der bildhaften Stille dieser Ausstellung einen entspannten Abend mit interessanten Eindrücken und Gesprächen. Und ich rate Ihnen, nutzen Sie die Gelegenheit des heutigen Tages, zum Gespräch mit dem Künstler, es wird ihre Freude an seinen Werken bestärken!

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit